Medizintechnik-Markt Oberösterreich erhält 5 Millionen Euro

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Am 16. Juni 2021 fand im Open Innovation Center an der Johannes Kepler Universität Linz eine Pressekonferenz zum Thema “5-Mio.-Förderturbo für Zukunftsmarkt Medizintechnik in OÖ” statt. Mit dabei waren Markus Achleitner, Wirtschafts- und Forschungsrat Oberösterreichs, Dr. Henrietta Egerth, Geschäftsführerin der Forschungsförderungsgesellschaft FFG, und Dr. Jama Nateqi, Gründer und CEO der Symptoma GmbH sowie Beiratsmitglied im Medizintechnik-Cluster. Wie nun bekannt wurde, soll Oberösterreich ein technologisches Vorbild und Zentrum der Medizintechnik werden. Dafür erhält das Bundesland eine Förderung in Millionenhöhe.

Oberösterreich wird Medizintechnik-Hotspot

„Systeme und Technologien für den Menschen“ sind einer von vier Schwerpunkten von #upperVISION2030. Die Wirtschafts- und Forschungsstrategie soll dazu beitragen, dass neue digitale Technologien, künstliche Intelligenz und unterstützende Systeme zum Einsatz kommen – vor allem im Gesundheitsbereich. „Aus medizinischer und ökonomischer Sicht ist die Digitalisierung des Gesundheitswesens eine große Chance. Einerseits kann damit die Versorgung von Patient/innen weiter optimiert werden und zum anderen bestehen auf dem Zukunftsmarkt Medizintechnik gerade auf den Wirtschaftsstandort OÖ große Chancen. Mit unserem neuen Fördercall ‚Digital Health – The Digital Patient Journey‘ bekommen Unternehmen und Forschungseinrichtungen in Oberösterreich einen Förderturbo in Höhe von fast 5 Mio. Euro für die Entwicklung von Zukunftsprojekten. Das ist ein weiterer Meilenstein auf dem Weg Oberösterreichs zum Hotspot in der Medizintechnik“, so Markus Achleitner. Oberösterreich will die Zukunft des Gesundheitssystems somit digital gestalten und fordert Anbieter von innovativen Lösungen dazu auf ihre Ideen vorzustellen, damit diese weiterentwickelt und sinnvoll eingesetzt werden können.

Fördercall Digital Health – The Digital Patient Journey

Der Fördercall ist ein kooperatives Forschungs- und Entwicklungsprojekt mit den Schwerpunkten Digitale Patient/innenversorgung und -sicherheit, sowie Prävention/Diagnose und Therapie/Nachbetreuung. Unter ecall.ffg.at können interessierte Unternehmen und Forschungseinrichtungen von 17.06.-29.10.2021, 12 Uhr, eine Förderung zwischen 100.000 und 600.000 Euro beantragen. Die Förderquote beträgt maximal 60 Prozent, gefördert wird für einen Zeitraum von maximal 36 Monaten. Insgesamt stellt das Land Oberösterreich für dieses Vorhaben eine Summe von 4,76 Mio. Euro bereit. 

Fünf Millionen Euro für moderne Gesundheitsversorgung

Die Coronakrise hat dem österreichischen Gesundheitssystem viel abverlangt. Bislang konnten aufkommende Schwierigkeiten gut gemeistert werden, doch die Pandemie hat auch gezeigt, wie dringend Veränderungen nötig sind. Telemedizin und digitale Verbindungsmöglichkeiten zwischen Medizinern, Pharmaunternehmen und Forschungseinrichtungen wurden plötzlich essenziell. Damit wurde klar: Die Implementierung solcher Lösungen muss aktiv vorangetrieben werden. „[…] Wir sind mit neuen Anforderungen konfrontiert, die ein Zusammenspiel aus Know-how, Forschung und Unternehmergeist erfordern“, betont Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner. Der neue Fördercall “Digital Health – The Digital Patient Journey” soll dafür sorgen, dass das österreichische Gesundheitssystem den neuen Anforderungen gerecht wird und sowohl die digitale Versorgung und Prävention bzw. Diagnose als auch die Therapie und Nachbetreuung verbessern. Dafür braucht es Lösungen, die Patientendaten erfassen, aufbereiten und auswerten – und Menschen, die diese neue Art der Gesundheitsversorgung akzeptieren. Mit dieser Aufgabe werden auch Themen wie Datenschutz und Kontrolle über die persönlichen Daten enorm wichtig. Es gilt die großen Chancen der Digitalisierung für Oberösterreichs Medizintechnik-Branche so zu nutzen, dass die Patienten sich damit wohlfühlen und die Veränderungen gerne annehmen.

Mögliche Einsparungen von 4,7 Milliarden Euro – jedes Jahr

Das österreichische Gesundheitswesen könnte durch die Digitalisierung in Zukunft jedes Jahr bis zu 4,7 Milliarden Euro einsparen – etwa 14 Prozent der jährlichen Gesundheits- und Versorgungskosten. Zu diesem Ergebnis gelangte die im April 2021 veröffentlichte Studie von McKinsey & Company mit dem Titel „Digitalisierung im Gesundheitswesen: die 4,7-Milliarden-Euro-Chance für Österreich“.Den größten Nutzen bringen der Untersuchung zufolge Online-Interaktionen zwischen Ärzten und Patienten sowie digitale Datenverarbeitung wie einheitliche elektronische Patientenakten sowie E-Rezepte bzw. E-Medikation. Für diese Umstellungen braucht es nun dringend moderne Lösungen und deren ausreichende Unterstützung. Markus Achleitner betonte darüber hinaus, dass Oberösterreich sehr wohl das Zeug dazu habe im internationalen Vergleich zu bestehen: „Das Fundament eines erfolgreichen Forschungs- und Technologiestandortes sind Wissenschaft, Innovationen und forschungsaktive Unternehmen. All das kann Oberösterreich bieten. Wir haben damit optimale Rahmenbedingungen und die Innovationskraft, um im internationalen Wettbewerb nicht nur mithalten zu können, sondern ganz vorne mit dabei zu sein. Unser Fördercall wird diesen Aktivitäten einen zusätzlichen Schub geben“, erklärt Landesrat Achleitner:

Medizintechnik-Cluster stärkt die Branche

Digital Health ist auch einer der Themenschwerpunkte des Medizintechnik-Clusters (MTC) der oberösterreichischen Standortagentur Business Upper Austria. Das Netzwerk möchte zusammen mit Forschungs- und Gesundheitseinrichtungen die Bedeutung der

Medizintechnik in Oberösterreich hervorheben und die Branche voranbringen. Gelingen soll das durch gemeinsame Kooperationsprojekte und Initiativen. Auch eine Veranstaltungsreihe zu Qualifizierungsmaßnahmen im Rahmen des Digital Health Calls gehört dazu. Auf diese Weise sollen Unternehmen und Forschungseinrichtungen bei der Bewerbung unterstützt werden. Finanziert werden die Veranstaltungen über die Leitinitiative Digitalisierung. Bereits am 17. Juni können sich interessierte Unternehmen und Forschungseinrichtungen beim Online-Auftakt zum Digital Health Call über Rahmenbedingungen und Förderquoten informieren. Beim Matchmaking-Event am 1. Juli vernetzt der Medizintechnik-Cluster zudem potenzielle Projektpartner. „Medizin- und Gesundheitstechnologien sind DER Wachstumsmarkt. Im erfolgreichen Zusammenspiel von Medizin, Forschung und Wirtschaft kann Oberösterreich diesen Standortvorteil im digitalen Wettbewerb um die Zukunft nutzen“, bekräftigt auch Wirtschafts- und Forschungs-Landesrat Markus Achleitner erneut.

Wichtiger Partner Forschungsförderungsgesellschaft (FFG)

Die FFG wickelt die Ausschreibung des Fördercalls im Auftrag des Landes Oberösterreich ab. Die langjährige Expertise der FFG kombiniert mit ihren Einreichwerkzeugen und der kompetenten Beratung sowie Betreuung von Bewerbern machen sie zu einem wichtigen Kooperationspartner. Endanwender und Bedarfsträger wie Krankenhäuser, Hilfsorganisationen oder Pflege- und Betreuungseinrichtung werden so früh wie möglich in den Prozess miteinbezogen, um die Chancen auf eine erfolgreiche Implementierung der Innovationen zu erhöhen. Die Unternehmen und Einrichtungen werden den gesamten Entwicklungszyklus über unterstützt. Bei rund 80 Prozent von ihnen handelt es sich um junge, kleine und innovative Unternehmen. Deren modernen Ansätze und Ideen sind vielversprechend, aber meist mit langen Entwicklungszeiträumen, hohen Kosten und regulatorischen Ansprüchen verbunden. „Ein international anerkannter Gesundheitsstandort zeichnet sich nicht nur durch exzellente Forschung und Entwicklung aus, sondern auch durch modernste medizinische Infrastruktur. Oberösterreich ist auf einem guten Weg. Als Geschäftsführerin der FFG freut es mich, dass die gezielte Forschungsförderung und Vernetzung aller relevanten Stakeholdern auf dem Weg zur Spitzenmedizin einen wichtigen Impuls im Land geben kann“, so Dr. Egerth.

Künstliche Intelligenz nimmt Schlüsselrolle ein

Digitale Tools sind sowohl im Medizin- als auch im Pflegebereich ein echter “Gamechanger”. Insbesondere künstliche Intelligenz spielt dabei eine wichtige Rolle. Sie ermöglicht eine frühere und zuverlässigere Erkennung von Krankheiten und gewinnt daher für Diagnose und weitere therapeutische Entscheidungsprozesse immer weiter an Bedeutung. „KI-Systeme werden Ärzte nicht ersetzen, sondern entlasten, damit sie mehr Zeit für das haben, was Patienten heute oft vermissen: Gespräche, Empathie, Menschlichkeit“, meint Dr. Egerth dazu.

Best Practice: Digitaler Gesundheitsassistent Symptoma ermöglicht Präzisionsmedizin

Nach wie vor stellen Fehldiagnosen einen „blinden Fleck“ der Medizin dar und kosten jedes Jahr rund 1,5 Millionen Menschenleben – das will Symptoma, ein 2006 gegründetes KMU aus Österreich, ändern. Der gleichnamige Gesundheitsassistent unterstützt mittels künstlicher Intelligenz Menschen auf dem Weg zur korrekten Diagnose und Behandlung. Ärzte und Patienten geben Symptome in den Chatbot ein, beantworten ein paar Fragen dazu, und bekommen eine Liste der möglichen Ursachen angezeigt – sortiert nach Wahrscheinlichkeit. Symptoma steht für Ärzte, Patienten, Krankenhäuser, Regierungen sowie Unternehmen der MedTech-, Pharma- und Versicherungsbranche zur Verfügung – in 100 Ländern und auf 36 Sprachen. “Unsere Vision ist es die Präzisionsmedizin zu ermöglichen. Jeder Patient verdient die richtige Diagnose und Behandlung”, betont Geschäftsführer Dr. Jama Nateqi, der auch Beiratsmitglied des Medizintechnik-Clusters ist.

Für diese Vision hat Symptoma die größte Krankheitsdatenbank der Welt etabliert: 20.000 Krankheiten sowie Milliarden Symptomverbindungen und Risikofaktoren werden bei jeder Eingabe berücksichtigt. So schafft es Symptoma sogar extrem seltene Krankheiten aufzudecken, deren Diagnose sich sonst oft schwierig gestaltet. Die Innovation basiert auf 15 Jahren Forschung und Entwicklung durch Mediziner und Datenwissenschaftler. Die hohe Treffergenauigkeit von über 96 Prozent wurde in internen, externen und wissenschaftlich geprüften Studien demonstriert und publiziert, u.a. von Pfizer und Nature. Im globalen Vergleich von bis zu 104 Lösungen landete Symptoma mit Abstand auf Platz 1. Inzwischen hat Symptoma 10 Millionen Nutzer im Monat und ist damit der meistgenutzte Symptomchecker der Welt. Diese Zahlen zeigen auch, wie groß die Nachfrage nach unterstützenden digitalen Tools mittlerweile tatsächlich ist.

Mit digitalen Daten gegen COVID-19

“Digitale Medizin und künstliche Intelligenz bereiten die wissenschaftliche Basis der Präzisionsmedizin. Dabei ist es essenziell Patienten ein langes und gesundes Leben zu ermöglichen und gleichzeitig ihre Privatsphäre zu schützen“, so Dr. Jama Nateqi. Das Unternehmen platziert keine Cookies Dritter, fragt nicht nach Namen oder E-Mail-Adressen und anonymisiert sogar die IP-Adressen der Nutzer. Die persönlichen Daten werden somit ausschließlich für die Symptomprüfung verwendet.

Das Potenzial des digitalen Tools haben auch die Europäische Kommission und die österreichische Regierung bereits erkannt und Symptoma beauftragt ihren Chatbot für die Bevölkerung bereitzustellen. Seit 2020 entlastet Symptomas digitale COVID-19 Lösung die Gesundheitshotline der Stadt Wien und sorgt dafür, dass begrenzte Ressourcen wie PCR-Tests an Bürger mit dem höchsten Risiko vergeben werden. Auf diese Weise hilft der digitale Gesundheitsassistent dabei die Pandemie effektiv einzudämmen. In diesem Zuge hat Symptoma außerdem bedeutsame neue Informationen über bislang unidentifizierte Anzeichen für COVID-19 gewinnen können und zusammen mit der Stadt Wien wissenschaftlich publiziert. Die durch das digitale Tool ermittelten Daten ermöglichen nun ein besseres Verständnis der Erkrankung und eine frühzeitigere Versorgung von Betroffenen. Darüber hinaus war Symptoma dank dieser Daten sogar in der Lage fünf Tage im Voraus zuverlässige Vorhersagen über den Verlauf der Pandemie in der jeweiligen Region zu treffen, wodurch entsprechende Handlungsempfehlungen abgeleitet werden konnten. Der Studie von McKinsey zufolge kann Symptoma in Österreich jedes Jahr zur Einsparung von 3 Milliarden Euro Gesundheitskosten beitragen.

Langjährige Unterstützung durch FFG, Medizintechnik-Cluster und oberösterreichische Landesregierung

Symptoma arbeitet mit über 63 Partnern auf der ganzen Welt im Rahmen von über 40 Forschungsprojekten zusammen, darunter führende Universitäten und Forschungseinrichtungen. Das Ziel: Die medizinische Entscheidungsunterstützung weiter vorantreiben. Für diese Arbeit wurde Symptoma nun bereits 46 Mal ausgezeichnet, z.B. 2017 von der Europäischen Kommission als eines der besten 50 Unternehmen der EU. Der Werdegang des Unternehmens wurde maßgeblich von der FFG (seit 2007), vom Medizintechnikcluster (seit 2012) und von der oberösterreichischen Landesregierung (seit 2015) unterstützt und begleitet.

Foto: Land OÖ/Gerstmair

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